Freitag, März 24, 2017

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Kleinbasel

Weihnachten bei Grossmutter im Kleinbasel

  • Donnerstag, 15 Dezember 2016 13:57

«Vogel Gryff»-Leserin Esther Bertschmann aus Riehen erzählt vom Weihnachtsfest bei ihrer Grossmutter an der Klein­basler Leuengasse.

«Vor bald 70 Jahren waren die Zeiten nicht rosig und das Geld war immer knapp», erinnert sich «Vogel Gryff»-Leserin Esther Bertschmann-Waibel, die heute in Riehen wohnt. Ihre Grossmutter Lina Waibel hatte gemeinsam mit ihrem Mann in einer Bäckerei an der Clarastrasse gearbeitet. «Als die Kinder erwachsen waren, starb der Grossvater. Ich kannte also nur meine Grossmutter», erzählt Bertschmann. «Sie war eine bescheidene, tapfere Frau. Nie hat sie sich über etwas beklagt und ich glaube, sie konnte gar nicht richtig böse werden.»

Enge Platzverhältnisse
«Unvergesslich bleiben mir die Familienweihnachtsfestli bei der Grossmutter. Einmal im Jahr traf sich die grosse Familie an eine Samstagabend bei ihr an der Leuengasse. Das Stübli war nur etwa fünfzehn Quadratmeter gross. Wir waren ungefähr 20 Personen. In der Mitte stand der Esstisch, drumherum verteilt etwa acht Stühle. Weitere Stühle standen an den Wänden. Grossmutter hatte den Holzofen tüchtig aufgeheizt. Wer zuerst kam, konnte den besten Sitzplatz auswählen. Das beliebteste Sitzmöbel war das Sofa. Das angrenzende kleine Schlafzimmer musste als Garderobe dienen. Auf dem Bett türmten sich Wintermäntel, und diverse Geschenke wurden vor der Bescherung dort versteckt. Zu Beginn des Abends war man noch etwas befangen, denn einige Verwandte sahen sich nur dieses eine Mal im Jahr.

Handgestrickte Socken
Grossmutter hatte hinter dem Ofen ein paar Flaschen Rotwein und Bier und für uns Kinder Traubensaft bereit gestellt. Die Jüngsten warteten bereits ungeduldig auf die Bescherung. Zu Weihnachten bekamen die Söhne, Schwiegersöhne und später auch die Enkel ein Paar handgestrickte Socken, denn Grossmutter hat mindestens zehn Paar pro Jahr gestrickt. Die Freude der Beschenkten war immer gross. Am Weihnachtsfest hat sich die Grossen viel zu erzählen. Nach etwa einer Stunde stimmte jemand das Lied <Oh du fröhliche> an. Ob es schön klang, weiss ich heute nicht mehr. Nach der ersten Strophe fing es mit dem Text zu hapern an. Es ging weiter mit <Stille Nacht>; die Kerzen auf den geschmückten Tannenzweigen auf dem Tisch wurden angezündet.

Wienerli und Rotwein
Die obligaten Wienerli schmeckten herrlich. Grossmutters Wangen röteten sich langsam – aber nur wegen der Wärme im Zimmer: Nein, sie trank auch gerne zur Feier des Tages ein zwei Gläser Rotwein mit. Mit dem Witze erzählen war das jedes Jahr so eine Sache. Eine Tante meinte immer, das gehöre sich doch nicht an so einem Fest. Die Tante war es dann aber jeweils, die selbst den ersten «Wäbstübler»-Witz zum Besten gab. Am Schluss des Abends gab es Gutzi und Kaffee, wobei die Jüngeren sich um die Brunsli stritten. Die Älteren begnügten sich mit Mailänderli und Aenisbrötli, die man so schön in den Kaffee tunken konnte. Wohlgelaunt und oft erst spät in der Nacht verliessen wir die Grossmutter, die, assistiert von ihren Töchtern, das Chaos wieder in Ordnung brachte. Die Grossmutter war über 80 Jahre alt, als sie in ein Alters- und Pflegeheim musste. Auch dort war sie sehr zufrieden und dankbar für jeden Besuch. In lieber Erinnerung denke ich an Grossmutter, an ihre Schlichtheit und an ihre Güte. Sie starb mit 86 Jahren.»

Die meisten Mieter verlassen den Burgweg

  • Donnerstag, 15 Dezember 2016 13:51

Die Hiobsbotschaft geht zurück auf Januar 2013: Alle Mieterinnen und Mieter der Häuser am Burgweg 4 bis 14 erhielten die Kündigung. Die Liegenschaft, die der Basellandschaftlichen Pensionskasse (BLPK) gehört, soll umfassend saniert werden, lautete die Begründung.
Die Mieter haben den Verein «Lebendiger Burgweg» gegründet und für den Erhalt ihrer Wohnungen und Ateliers gekämpft. Sie waren der Ansicht, die Liegenschaft solle sanft saniert werden und die Ateliers erhalten statt zu Kleinstwohnungen umgebaut werden. Was folgte, war eine Flut von Prozessen und Einsprachen.


Nur sechs kämpfen weiter
Seit das Zivilgericht Basel-Stadt im Juni dieses Jahres die Kündigungen der BLPK für gültig erklärt hat, haben viele Mieterinnen und Mieter die Flinte ins Korn geworfen und ziehen Ende Jahr aus. Die allermeisten haben keine Lust und kein Geld mehr, sich weiter für ihre Wohnungen und Ateliers zu wehren, wie Beat Leuthardt vom Basler Mieterinnen- und Mieterverband (MV) weiss. «Nur Leute, die einen Kostenträger haben, wehren sich weiter gegen die Kündigung.» Nur noch sechs von 52 Mietparteien würden weiterkämpfen, sagt Leuthardt.


Chancen bei etwa 50 Prozent
Die Chancen, dass die Mieterinnen und Mieter Recht bekommen, liegen gemäss Leuthardt bei etwa 50 Prozent. Der MV beruft sich darauf, dass die Kündigungen auf Vorrat gemacht wurden, weil das Bauprojekt keine greifbare Realität sei. Es existiere weder eine rechtskräftige Baubewilligung noch ein rechtsgenüglicher Architektenvertrag. Viele Mieterinnen und Mieter, die ausgezogen sind, haben zwar andere Wohnungen oder Ateliers gefunden, seien aber teilweise «unglücklich», wie Leuthardt sagt. Und die Mieter von Ateliers bezahlen gegenwärtig mindestens ein Drittel, teilweise das Doppelte mehr als vorher.

Von Grund auf sanieren
Wie Roland Weiss, bei der BLPK Leiter Anlagen und Mitglied der Geschäftsleitung, erläutert, muss das Haus von Grund auf saniert werden. «Das ist leider im bewohnten Zustand nicht möglich, insbesondere auch wegen der Massnahmen zur Steigerung der künftiger Erdbebensicherheit, der komplett neuen Grundrissgestaltung und Entkernung. Die Mietverhältnisse müssen dazu aufgelöst werden.»
In die leeren Wohnungen sind inzwischen Flüchtlinge einzogen.

«Keine Luxuswohnungen»
Wann mit der Sanierung begonnen werden soll, kann Weiss nicht beantworten. «Die Auflösung der letzten Mietverhältnisse ist ein hängiges Verfahren, deshalb können darüber keine Angaben gemacht werden.» Und was will die BLPK aus den Häusern machen? Weiss: «Es sollen keine Luxuswohnungen entstehen, sondern normale Kompaktwohnungen mit zeitgemässen Grundrissen und Wohnstandards.» Gemäss Gesetz habe eine Vorsorgeeinrichtung wie die BLPK «ihre Vermögensanlagen sorgfältig auszuwählen, zu bewirtschaften und zu überwachen». Dazu gehöre auch eine regelmässige Sanierung der Immobilien, um die Werthaltigkeit der Investitionen auch für die Zukunft zu sichern. «Es ist Aufgabe einer Pensionskasse, für sichere Rentenzahlungen in der Zukunft besorgt zu sein», sagt Weiss.

Kleinhüningen feiert seine Weihnachtssterne

  • Mittwoch, 30 November 2016 14:23

Rund 50 Sterne erhellen in Kleinhüningen jeweils die Vorweihnachtszeit. Dieses Jahr wurde die Weihnachtsbeleuchtung am 27. November vor dem Alterszentrum Wiesendamm gefeiert, musikalisch begleitet vom Chor Viceros. Rolf Heidolf, Meister E. E. Bürgerkorporation Kleinhüningen, begrüsste die Anwesenden. Drei Mädchen, von Coiffeuse Irène Leutwyler schön als Engel eingekleidet, baten um einen Batzen für den Förderverein «Weihnachtsbeleuchtung Kleinhüningen».

In der Kasse sieht es nicht rosig aus, wie Vereinspräsident Daniel Hunziker erklärt. «Die Spenden sind rückläufig.» Der grösste Ausgabenposten sei der Unterhalt, vor allem der Ersatz der Lämpchen. Viele Bewohnerinnen und Bewohner würden für die Beleuchtung spenden, grosse Firmen aber leider nicht, erklärt Hunziker, der in Kleinhüningen eine Firma für Elektroinstallationen betreibt und den Förderverein mit seinem Sponsoring über Wasser hält. «Es muss nicht immer alles profitabel sein. Manchmal muss man der Gesellschaft etwas zurückgeben», begründet er sein Engagement. «Die Sterne gehören zu Kleinhüningen.»

Erotikmessen zählen in Basel zur Kultur

  • Mittwoch, 30 November 2016 14:00

In Basel hat man offenbar einen breiten Kulturbegriff: Neu zählen auch Erotikmessen dazu. Diesen Eindruck gewinnt jedenfalls, wer derzeit durch die Kleinbasler Strassen geht – vom Musical-
Theater bis zum Eglisee: Unter den unzähligen Kleinplakaten der Grösse A2, die überall an grauen Verteiler- und Weichenkästen der Basler Verkehrsbetriebe oder der Industriellen Werken Basel angebracht sind, hängen seit einigen Tagen auch Plakate der Erotikmesse Extasia.

Gewinnorientiert oder nicht?

Das ist insofern speziell, als Kleinplakate eigentlich für nicht gewinnorientierte Kulturveranstaltungen gedacht sind, was man von einer Erotikmesse in den Hallen der Messe Basel kaum behaupten kann. 2014 hatte die Allmendverwaltung festgelegt, dass diese Flächen «einzig zur Bewerbung von nicht renditeorientierten öffentlichen Kulturprojekten und -veranstaltungen zur Verfügung stehen, die nicht gleichzeitig mit Grossplakaten beworben werden». Diese und andere Regelungen sollten bis Ende 2017 gelten und allenfalls aufgrund von Erfahrungen im Zusammenhang mit der derzeit laufenden Basler Plakatsubmission geändert werden. Wobei sich die Allmendverwaltung schon vorher «allfällige Feinanpassungen» vorbehielt.

Eine solche Feinanpassung scheint man unterdessen vorgenommen zu haben. Auf Anfrage hielt jedenfalls Stéphanie Balzer, Leiterin Nutzungsmanagement bei der Allmendverwalrung, fest: «In Basel-Stadt gibt es rund 2500 Kleinplakatstellen auf zwei Kleinplakatierer verteilt. Diese sollen mit kultureller Werbung bespielt werden. Als Messe- und Veranstaltungsstadt zählen zu einem gewissen Grad auch die lokalen Märkte sowie die Messen zur kulturellen Bereicherung dazu. Deshalb wird zu einem kleinen Teil auch diese Werbung in den kulturellen Rahmen zugelassen, jedoch dürfen sie zu keiner Zeit die nicht renditeorientierte kulturelle Werbung verdrängen.»

Alternative zu Grossplakaten

Stossend ist der Vorzug, den die Behörden der Messe hier einräumen, weil der Kanton Basel-Stadt die Kleinplakate nicht zuletzt als günstigere Aussenwerbealternative zu den Grossplakaten eingerichtet hat. Er gab sogar den Maximalpreis vor: 1.20 Franken pro A2-Plakat und Tag. Ein hochkommerzieller Messeveranstalter hat ein solches preisliches Entgegenkommen aber nicht nötig. 

Wundern darf man sich über diese Ausnahme nicht, denn der Kanton Basel-Stadt ist zu 33,5 Prozent an der MCH Group beteiligt, und stellt mit den Regierungsräten Christoph Brutschin und Eva Herzog zwei Verwaltungsratsmitglieder und mit Ex-Regierungsrat Ueli Vischer gar den Verwaltungsratspräsidenten.

Das aktuelle behördliche Einverständnis zur Werbung der Erotikmesse ist dennoch erstaunlich: Vor drei Jahren hatte sich ein Basler Bordell ebenfalls mit Werbung unter die Kulturplakate gemischt – über einen der beiden Kleinplakatanbieter (der «Vogel Gryff» berichtete). Dieser wurde damals von Stéphanie Balzer schriftlich verwarnt, sie drohte ihm im Wiederholungsfall gar mit einer Vollstreckungsverfügung oder dem Entzug der Plakatierlizenz. Balzer stützte sich damals primär auf Paragraph 7e der Basler Plakatverordnung von 2011, die «Werbung für sexuelle Dienstleistungen» auf öffentlichem Grund untersagt. Warum diese Vorschrift im Falle der Extasia nicht gelten soll, liess sie offen.

Auch politische Werbung
Zurück zur aktuellen Basler Plakatsubmission: In diesem Zusammenhang sind auch die Kleinplakate neu ausgeschrieben – und schon jetzt steht fest, dass hier eine Öffnung stattfinden wird. Gemäss Ausschreibung ist künftig auf den Kleinplakaten auch politische Werbung vor Wahlen und Abstimmungen zugelassen. Von Erotik- und anderen Messen ist allerdings weiterhin nichts zu lesen.