Montag, Mai 29, 2017

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Kleinbasel

«Guten Appetit – Ju beftë mirë – Afiyet olsun» – so lautet der deutsch-albanisch-türkische Titel des 220-seitigen Kochbuchs von Besjana Ramadani (18), die im Juni das Gymnasium Bäumlihof mit der Matura abschliessen wird. Die Rezepte und Texte im Buch sind alle auf Deutsch, die Namen der Speisen lernt man aber in den erwähnten drei Sprachen kennen. Der «Vogel Gryff» wollte von der jungen Kosovarin wissen, wie es zu diesem Buchprojekt kam.

 

Wie kamen Sie auf die Idee, als Maturaarbeit ein Kochbuch zu verfassen?

Besjana Ramadani: Ich wollte etwas machen, das einen bleibenden Wert hat und mir nützlich ist. Es sollte auch etwas sein, mit dem ich mich selbst und meine Talente präsentieren kann. Ich stamme aus dem Kosovo und schätze die dortige Esskultur sehr. Deshalb habe ich schon früh Rezepte gesammelt und diese auf Zetteln, auf dem Handy und auf Notizblöcken festgehalten. Diese unübersichtliche Sammlung wollte ich ohnehin einmal zusammentragen. Und da ich am Gymnasium den Schwerpunkt «Bildnerisches Gestalten» gewählt hatte, lag es nahe, dass ich das Gelernte mit der Rezeptsammlung verband.

 

Sie schrieben nicht nur die Rezepte, sondern machten von den Speisen auch wunderschöne Fotos.

Ursprünglich plante ich das Kochbuch bloss in kleinem Rahmen und hauptsächlich mit eigenen Zeichnungen. Ein paar Dinge fotografierte ich zudem mit dem Handy. Deshalb merkte ich, dass  Fotos nicht nur schöner, sondern auch anschaulicher sind. Deshalb besorgte ich mir eine Kamera, machte mich damit vertraut, fing erneut bei Null an und kochte nochmals alle Speisen durch.

 

Der Buchtitel und die Namen der einzelnen Speisen sind dreisprachig – weshalb?

Die Esskultur des Kosovo ist stark beeinflusst von der Zeit des osmanischen Reiches. In der Türkei und im Orient gibt es deshalb ähnliche Speisen wie im Kosovo. Diesen Zusammenhang wollte ich hervorheben. Darum enthält das Buch auch je eine kurze Einführung in die albanische und türkische Küche.

 

Kochbücher gibt es viele – was ist das Spezielle an Ihrem Werk?

Erstens enthält es Rezepte aus dem Balkan, der Türkei und dem Orient. Es gibt zwar auch andere Bücher mit solchen Rezepten, doch die Mengenangaben sind dort oft ungenau, was eher vom Kochen abhält. Ich wollte es einfach und klar, deshalb habe ich alle Rezepte ausprobiert und die Mengenangaben vereinheitlicht. Zweitens habe ich die Speisen mit meiner Familie und Herkunft verbunden, indem ich kurze Einleitungen oder Tipps dazu schrieb. Ebenso Erklärungen, etwa zu unserem Zucker- oder Opferfest (Bajram) oder über die Fastenzeit (Ramadan). Das Buch ist also nicht nur eine Rezeptsammlung; ich wollte auch eine Brücke schlagen.

 

An wen richtet es sich denn?

An alle Personen, die leidenschaftlich gerne kochen und Neues ausprobieren. Dann aber auch an Menschen in meinem Alter, die wie ich kosovarische Wurzeln haben und in Deutschland, Österreich oder in der Schweiz leben: Manche von ihnen haben unsere Traditionen vergessen. Mein Kochbuch soll sie ermutigen, unsere Esskultur wieder vermehrt zu pflegen.

 

Sind alle Zutaten hier erhältlich?

Ja, einige aber nur in türkischen oder albanischen Quartierlädeli. Das ist im Buch jeweils vermerkt.

 

Welches ist Ihr Lieblingsrezept?

Ich arbeite gerne mit Teig, deshalb mag ich «Petlla» (frittierte Teigstücke). Diese Speise bereitet man bei uns zu, wenn zwei Menschen heiraten: Am Tag nach der Hochzeit frittieren sie Pettla zum Frühstück und essen es mit der Familie. Man kann es süss oder salzig würzen.

 

220 Seiten dick. Besjana Ramadani: «Guten Appetit – Ju beftë mirë – Afiyet olsun». Nicht im Buchhandel erhältlich. 28 Franken, bestellbar über Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Neue Ideen für den Unteren Rheinweg

  • Mittwoch, 12 April 2017 15:13

Die Probleme am Unteren Rheinweg, besonders in den Sommermonaten, sind bekannt: Menschenmassen aus der ganzen Region, die das Rheinbord bevölkern, oft Suchverkehr verursachen, grillieren, bis in die Morgenstunden lärmen, in den Vorgärten urinieren sowie Abfälle und Scherben hinterlassen. Die IG Unterer Rheinweg (IGUR) mit ihren 150 Mitgliedern kämpft schon lange gegen die Auswüchse an dieser Ausgehmeile, und auch die Behörden unternehmen immer wieder neue Anläufe (siehe Kasten).

«Es wird immer schlimmer»

Wie sehr die Anwohner die Nase voll haben, zeigte sich an einer Veranstaltung des Stadtteilsekretariats, die von über 70 Personen besucht wurde. Eine Frau klagte, alle Massnahmen hätten bisher zu keinen Verbesserungen geführt, im Gegenteil: «Es wird immer schlimmer.» Niemand widersprach. Einzig die Stadtreinigung, die täglich mehrmals das Rheinbord reinigt, wurde gelobt.

In einem Punkt ist die Situation am Unteren Rheinweg «einzigartig», sagte Tom Steiner, der an der Hochschule Luzern zu diesem Thema forscht. In vielen Städten ziehe es die Menschen ans Wasser, überall gebe es Probleme. «Doch in keiner andern Schweizer Stadt stehen Wohnhäuser so nahe an der Problemzone.» Ratschläge konnte aber auch er nicht erteilen. Dazu sei das Phänomen zu jung, sagte er.

Unter der Leitung von Theres Wernli vom Quartiersekretariat, wurden deshalb teils im Plenum, teils in Gruppen neue Ansätze gesammelt. Sie sollten nachher mit den Behörden diskutiert werden.

Wie oft bei solchen Anlässen gab es natürlich auch hier Personen, die bloss auf Ruhe, Ordnung und Problemverdrängung pochten oder Polizei und Behörden Nichtstun vorwarfen. Aber es gab auch andere Stimmen. Ein Mann sagte: «Mir stinkts auch. Doch wenn ich der Polizei anrufe, kommt sie. Sie macht, was sie kann.» Er schlug weiter vor, dass Anwohner zu Zweit oder zu Dritt jene Personen, die negativ auffallen, ansprechen und zurechtweisen sollten. «Wenn wir schon jetzt damit anfangen, nützt es eher, als wenn wir erst im Sommer starten», meinte er.

Ein Durchgang zur Uferstrasse?

Genau daran knüpft auch die Idee von SIP-Patroullien in Zürich an: Uniformierte Zweierteams, die in den Problemzonen auffällige oder störende Personen ansprechen, ohne jedoch über Strafkompetenzen zu verfügen. SIP steht dabei für Sicherheit, Intervention, Prävention. Auch die Idee eines «Nachtbürgermeisters» (siehe VG-Ausgabe Nr. 7) kam wieder aufs Tapet.

Interessant, wenn auch nicht neu war die Idee, einen Durchgang vom Unteren Rheinweg zur Uferstrasse zu öffnen, damit sich die Menschen stärker verteilen.

Jemand schlug zudem eine Art Kompromiss vor: Die Anwohner akzeptieren das nächtliche Treiben am Rheinbord bis 24 Uhr, also zwei Stunden über die Nachtruhe hinaus. Nachher sollte es aber von den Behörden konsequent unterbunden werden.

Eine andere Person verwies auf die Stadt Hamburg, wo das Grillieren an der Elbe ganz untersagt wurde. Andere forderten, dass am Rheinbord nur noch auf Elektrogrills der Stadt grilliert werden darf.

Roche baut bereits am zweiten Turm

  • Mittwoch, 29 März 2017 13:04

Neben dem ersten Bürohochhaus baut Roche auf der anderen Seite der Grenzacherstrasse bereits am zweiten Turm. Im Interview erklärt Roche-Pressesprecher Karsten Kleine, wie es mit der Arealentwicklung weitergeht.

 

Herr Kleine, wir blicken vom Bau 1, dem ersten Bürohochhaus der Roche, über die Grenzacherstrasse hinüber zur Baugrube für den zweiten Turm. Wie sieht der Bauablauf aus?

Karsten Kleine: Nach dem Abriss des alten Gebäudes arbeiten wir jetzt am Aushub für das Fundament. Anfang 2018 wird die Bodenplatte fertig sein, danach wird der Bau sichtbar. Ende 2022 wollen wir das 205 Meter hohe Bürogebäude, den sogenannten Bau 2, eröffnen. Dort werden rund 2400 Mitarbeitende arbeiten.

 

Neben dem Turm sind weitere Neubauten geplant.

Genau. Roche investiert insgesamt drei Milliarden Franken in die Arealentwicklung in Basel. Das grösste Investitionsvolumen entfällt auf das neue Forschungs- und Entwicklungszentrum, das in vier Neubauten westlich von Bau 2 untergebracht wird und Platz bietet für 1900 hochqualifizierte Mitarbeitende aus der Forschung und Entwicklung. Für die vier Neubauten wird der heutige Bau 74 abgerissen. Die Abbrucharbeiten beginnen Anfang 2018. Die vier Neubauten werden bis 2023 realisiert.

 

Was wird demnächst sichtbar?

Anfang April wird über der Grenzacherstrasse eine Containerbühne aufgebaut, Teile davon sieht manbereits. Diese benötigen wir für die Bewirtschaftung der Baustelle.

 

Wie viele der Arbeiten vergeben Sie in der Schweiz?

Bei Bau 1 konnten wir 75 Prozent der Investitionen an lokale und regionale Unternehmen vergeben. Bei den weiteren Bauprojekten gehen wir davon aus, mindestens einen ähnlichen Wert zu erreichen. 

 

Aktuell hat Roche 13 verschiedene Standorte in der Stadt. Werden diese aufgehoben, wenn die geplanten Neubauten fertig sind? 

Das Ziel der Arealentwicklung ist es, möglichst viele Mitarbeitende auf das Areal im Wettstein zurückzuholen. Aber auch nach 2023 werden wir auf Büroflächen in der Stadt angewiesen sein. 

 

Wie läuft der Kontakt zur Nachbarschaft?

Wir befinden uns im intensiven Austausch mit den Nachbarn. Momentan läuft eine Serie von Dialogveranstaltungen. Über die Website http://quartierinfo-roche-basel.ch/quartierinfo.html findet man weitere aktuelle Informationen sowie die Kontakte zu Roland Frank und Werner Schlatter, die Fragen zu den Bauprojekten auch direkt vor Ort beantworten.

 

Gibt es trotzdem Nachbarn, die nicht zufrieden sind?

Bei den Nachbarschaftsveranstaltungen erhalten wir viele Fragen zu ganz konkreten Themen. Grundsätzlich sind die Rückmeldungen sehr positiv. Im Moment haben wir das Gefühl, dass wir die Nachbarn sehr gut erreichen. Wichtig ist für uns, den gegenseitigen Austausch weiterzuführen.

 

Was ist das Hauptproblem? Der Lärm?

Bei einem solchen Bauvorhaben sind die Beeinträchtigungen natürlich punktuell gross – sowohl beim Lärm wie auch beim Baustellenverkehr. Dagegen haben wir ein ganzes Bündel von Massnahmen ergriffen. Rund um das Areal haben wir 1500 Schallschutzfenster eingebaut. Zusätzlich zahlen wir eine temporäre Emissionsentschädigung, die je nach Lage und Bauphase bis zu 30 Prozent des Miet- oder Eigenmietwerts beträgt. Zudem werden wir alles daran setzen, für das Quartier den Baustellenverkehr so verträglich wie möglich zu organisieren.

 

Wie greifen die Massnahmen zur Verkehrsentlastung?

Die neue Buslinie 42, der Schnellbus zwischen dem Badischen Bahnhof und Basel SBB, ist seit Anfang 2017 in Betrieb und bringt eine spürbare Entlastung. Dank dem Bus 42 fährt eine Linie weniger durch die Grenzacherstrasse. Zudem verlagern wir unser Logistikzentrum an die Arealgrenze, damit die Anlieferung nicht mehr durch das Quartier führt. Und wir haben bei der Messe Handwerkerparkplätze eingerichtet, damit die Handwerker nicht mehr ins Quartier hineinfahren, was wir auch entsprechend kontrollieren. Zusätzlich soll zur Entlastung der Anwohner die Bushaltestelle Rosengartenweg bis im Herbst 2017 verlegt werden. Und nicht zuletzt hoffen wir auf eine S-Bahn-Haltestelle bei der Solitude.

 

Der Bau des provisorischen Parkhauses an der Schwarzwaldallee ist wegen Einsprachen blockiert.

Ja, das finden wir sehr bedauerlich. Das provisorische Parkhaus würde eine grosse zusätzliche Entlastung für das Quartier bringen. Mitarbeitende fahren heute durch die Schwarzwald- und Wettsteinallee und die Peter Rot-Strasse ins Parkhaus unter dem Bau 74. Neu könnten sie von der Schwarzwaldallee direkt ins provisorische Parkhaus fahren. Das provisorische Parkhaus macht absolut Sinn. Wir sind deshalb zuversichtlich, dass wir es trotz Bedenken realisieren können. 

Quartierinfo Roche Basel:

http://quartierinfo-roche-basel.ch/quartierinfo.html

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Erhält Basel nachts einen Bürgermeister?

  • Mittwoch, 29 März 2017 17:33

Die «KleinStadtgespräche» greifen Themen auf, die den Bewohnern Kleinbasels unter den Nägeln brennen. Aber es wird nicht nur erörtert, gejammert, geschimpft und beschuldigt. «Zum Konzept der Kleinstadtgespäche gehört es seit jeher, auch Lösungen zu finden», mahnte Moderatorin Martina Rutschmann schon zu Beginn der Diskussion unter dem Motto «Schlafen und Beleben – Innenstadt auf Lärmstufe III». Das sei ein Dauerthema, «bei dem man meinen könnte, dass es keine Lösung gibt», sagte eine eher pessimistische Rutschmann.

Ideen für Lösungen

Schon bald zeigte sich: Das grösste Lärmproblem für schlafende Anwohner sind Gäste von Beizen, die spät abends oder früh morgens rauchend vor den Lokalen stehen und plaudern, lachen, grölen oder streiten. Oder die sich nach Betriebsschluss ebenso rücksichtslos auf den Heimweg begeben. Unter solchen Umständen sei insbesondere im Sommer ein Schlafen bei offenem Fenster nicht möglich, wurde von verschiedenen Votantinnen und Votanten mit Nachdruck moniert. Dennoch gab es auch Lösungen, zumindest Lösungsideen.

Sicherheitsmann sorgt für Ruhe 

Eine davon wird bereits da und dort praktiziert. So beordert etwa Robert Schroeder, Inhaber der «Achtbar» in der Rheingasse, vor allem an Wochenden einen Sicherheits-Mann vor sein Lokal. Dieser erinnert die Gäste, die zum Rauchen vor die Tür treten, an die schlafende Nachbarschaft und hält sie zu rücksichtsvoller Lautstärke beim Plaudern an. Notfalls schickt der Sicherheitsmann die Gäste auch wieder ins Lokal zurück. Der eine oder andere Wirt an der Rheingasse mache dies auch, sagte Schroeder gegenüber dem «Vogel Gryff». Das scheint zu nützen, jedenfalls lobten auch Anwohner diese Massnahme. Allerdings beruht sie auf Eigen­initiative. Matthias Nabholz, Leiter des Amtes für Umwelt und Energie, brachte deshalb die Idee eines «Nachtbürgermeisters» ein, wie er bereits in Amsterdam und anderswo existiere.

Auch ein Vermittler 

Das Ziel des Nachtbürgermeisters sei es, ein aktives Nachtleben zu ermöglichen – einerseits aus wirtschaftlichen Gründen, denn das Nachtleben schafft auch Arbeitsplätze. Aber auch aus kulturellen Gründen, und weil es einem Bedürfnis entspricht. Andererseits vermittelt der Nachtbürgermeister zwischen An­wohnern, Behörden, Nachtschwärmern und Lokalinhabern, wenn das Nachtleben zu Problemen führt. Ein anderer Teilnehmer des KleinStadtgesprächs brachte den «Nachtstadtrat» in Zürich ins Spiel, ein Gremium, das als Verein ähnliche Aufgaben übernimmt.

Parlamentarier werden aktiv

SP-Grossrätin Salome Hofer vom Verein «Kulturstadt jetzt» nahm die Ideen auf und versprach, sie auf politischer Ebene in geeigneter Form weiter zu verfolgen. Möglich also, dass schon bald ein parlamentarischer Vorstoss zu diesem Thema erfolgt. Der konkrete Anlass für die Diskussion im Hotel Balade, an der rund 40 Personen teilnahmen, war die Motion von FDP-Grossrat Stephan Mumenthaler, die der Grosse Rat im letzten Oktober an die Regierung überwiesen hat. Sie verlangt, dass die gesamte Innenstadt im Gross- und Kleinbasel der Lärmempfindlichkeitszone (LES) III zugewiesen wird, eine Mischzone, in der Wohnen und Gewerbe möglich sein soll.

«Ein Flickenteppich»

Heute sind Teile der Innenstadt der LES III, andere der ruhigeren LES II (reine Wohnzone) zugeordnet. Dies führe zu teils kuriosen Situationen – etwa in der Rheingasse, wo auf der einen Seite der Strasse LES II und auf der anderen LES III gelte. Ziel der Motionäre sei es, so die Mitunterzeichnerin Salome Hofer, diesen «Flickenteppich» zu vereinheitlichen. Der aktuelle Stand sieht folgendermassen aus: Die Regierung muss die Motion umsetzen und erneut dem Grossen Rat vorlegen. Stimmt er der neuen Regelung zu, kann dagegen noch das Referen­dum ergriffen werden.