Sonntag, November 19, 2017

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Ein Gwäägi erzählt, wie er Verse drechselt

D Gwäägi treten am Charivari 2016 erstmals mit fünf Sängern auf D Gwäägi treten am Charivari 2016 erstmals mit fünf Sängern auf Foto: Patrick Straub

Seit wann singen d Gwäägi schon miteinander?
Ein Gwäägi: Wir feiern an der Fasnacht 2016 unser 15-Jahr-Jubiläum. 2001 haben wir als wilder Bangg zum ersten Mal gesungen, damals noch zu dritt und nur am Fasnachtsdienstag. Nach jener Fasnacht haben wir uns zu zweit entschieden, richtig einzusteigen: 2002 sangen wir zum ersten Mal als Gwäägi bei der VSG und seit 2006 beim Comité 1914 (ehemals Comité 2000). Seit 2013 singen wir zu viert, an der Fasnacht 2016 sind wir erstmals zu fünft.

Wie haben Sie zusammengefunden?
Die Gwäägi sind entstanden, als wir noch in der Jungen Garde einer grossen Stammclique waren. Dort haben wir uns kennengelernt. Noch heute versuchen wir, das Trommeln und Pfeifen mit dem «Bänggle» unter einen Hut zu bekommen. Wir möchten nach wie vor weder auf das eine noch das andere verzichten.

Was hat Sie zum Bänggsingen gemacht?
Der Auslöser war ein Auftritt der «Verschiffte» im Café Spillmann.  Danach haben wir beschlossen, es im Folgejahr auch zu versuchen. Schon immer haben wir uns für Schnitzelbänke interessiert und die Szene bereits in der Kindheit mit grossem Interesse verfolgt. Vorbilder gibt es viele. Wir hören uns in der Vorbereitungszeit immer wieder «alti Bängg» an und bewundern den Wortwitz, überraschende Pointen, den tollen Gesang.


Wie ist der Name «Gwäägi» entstanden?
Die Figur des Raben schien uns passend für unseren Humor. Wahrscheinlich würden wir den Namen heute anders wählen. Wir werden immer wieder als «Gwäggi» geschrieben, obwohl wir keine Ähnlichkeit zu Steinen sehen. «Gwäägi» müsste man korrekterweise mit Doppel-Ä und Doppel-G schreiben. Aber da dies wahrscheinlich zu noch mehr Verwirrung geführt hätte, haben wir uns für die Schreibweise «Gwäägi» entschieden.

Wie entstehen die Bänke? Gibt es einen festgelegten Ablauf, oder entsteht vieles spontan?
Wir beginnen im Spätsommer mit der Themensammlung. Im Herbst beginnen wir mit der Arbeit und versuchen, auf überraschende Pointen zu kommen. Am Anfang eines Verses steht immer die Pointe, die letzte Zeile wird als erste geschrieben und dann wird nach vorn aufgebaut und mit möglichst vielen Zwischenpointen gespickt.

Letztes Jahr hatten Sie nur eine Melodie. Bleiben Sie dabei?
Im ersten Gwäägi-Jahr sangen wir auf die Melodie «Dr Hansdampf im Schnooggeloch», im Folgejahr haben wir zur heutigen Melodie gewechselt, der alten Melodie der «Mischtgratzerli». Immer wieder haben wir nach den Versen ein «Liedli» angehängt auf eine andere Melodie. Die letzten Jahre verzichteten wir darauf und haben uns für einen Langvers in unserer Melodie entschieden. Da eignen sich Themen, die etwas Stoff bieten, wie beispielsweise der BVB-Skandal. Auch im 2016 ist mit grosser Wahrscheinlichkeit wieder mit einem Langvers zu rechen.
Wir nehmen an, dass ein Grossteil des Programms für nächstes Jahr schon steht.
Schön wärs! Wir haben bis jetzt rund drei bis vier Verse, die «halbwegs singbar» wären. Spätestens bis Ende Jahr sollte aber ein Programm stehen, damit die Zeit noch reicht für das Malen der «Helge». Sprich: Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Wir treffen uns beinahe wöchentlich zum Schreiben und Austausch unserer Ideen.

Ab wann können Sie noch auf aktuelle Ereignisse reagieren?
Da sind wir flexibel. Je nach Geschehnis ist ein tagesaktueller Vers möglich, der auch ohne «Helge» gesungen werden kann.

Die Zuhörer reagieren begeistert auf Ihre Bängg. Wie gehen Sie mit dem Erfolg um?
Vielen Dank. Da man als «Schnitzelbänggler» anonym bleibt, erfahren wir den Erfolg lediglich in Form der Lacher und des Applauses. Autogramme müssen wir noch keine geben. Eine positive und direkte Reaktion nach dem gesungenen Vers geniessen wir sehr. Sobald wir aber die Larve ablegen, sind wir einfach Fasnächtler wie alle andern auch.

Wie schwierig ist es, das hohe Niveau zu halten?
Wenn man beim Schreiben einen Vers zum x-ten mal überarbeitet und geprobt hat, kann man selbst nicht mehr darüber lachen. Eine Einschätzung, ob es ein guter oder schwacher Jahrgang wird, ist schwierig – die Zweifel bleiben bis zum ersten Auftritt. Am 16. Januar 2016 nach der Charivari-Premiere wissen wir mehr.

Dieses Jahr stösst ein fünfter Sänger dazu. Weshalb haben Sie sich dazu entschlossen?
Mit dem fünften Gwäägi konnten wir einen erfahrenen Schnitzelbänggler gewinnen, der keinesfalls das fünfte Rad am Wagen wird. Wir freuen uns unheimlich auf das Charivari und die Fasnacht in der neuen Formation, auch wenn es in gewissen Baizen etwas eng werden dürfte...


Charivari 2016
16. bis 30. Januar, Volkshaus
www.charivari.ch

Gelesen 1943 mal Letzte Änderung am Montag, 07 Dezember 2015 09:49

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