Freitag, August 23, 2019

Vinaora Nivo Slider 3.xVinaora Nivo Slider 3.xVinaora Nivo Slider 3.xVinaora Nivo Slider 3.x

«Unsere Türen sind offen»

Im Erdgeschoss an der Feldbergstrasse 148 befindet sich der «Treffpunkt Glaibasel». Der «Vogel Gryff» sprach mit Stellenleiter Hüseyin Haskaya (51) über das Angebot und die neusten Projekte.

Der «Treffpunkt Glaibasel» existiert seit bald 40 Jahren. Wer trifft sich denn da?
Hüseyin Haskaya: Zu uns kommt der einsame AHV-Rentner, die Asylbewerberin, Personen mit Drogen- oder Alkohol-Problemen, Arbeitslose, Wohnungssuchende, Leute mit familiären Problemen – kurz Menschen in Situationen, in die jeder im Leben hineinrutschen kann. Wir haben offene Türen für alle, forschen aber niemanden aus. Bei uns gelten folgende Grundregeln: Keine Gewalt, keine Aggression, keine Waffen, keine Drogen, kein Alkohol. Auch eine 18-jährige Frau soll sich hier wohl fühlen. Oder Kinder; denn es kommen auch Alleinerziehende mit Kindern.

Wann ist der Treffpunkt offen?
Montag bis Freitag (inklusive Feiertage), von 8.30 bis 17 Uhr, und samstags von 8.30 bis 16 Uhr. Sonntags ist geschlossen. Das gilt für das ganze Jahr. Einzig von Weihnachten bis Neujahr sind wir zu.

Wie viele Gäste kommen vorbei?
Pro Tag 40 bis 50 Personen. Die Leute können sich selbständig in einem Raum aufhalten, ganz ohne Konsumzwang, die Zeitung lesen oder fernsehen. Wir haben auch einen Mittagstisch: Suppe und Brot sind gratis, die Menüs sehr günstig. Jede und jeder soll etwas Warmes erhalten. Und wer ein Problem hat, kann sich melden und erhält kostenlos Beratung oder administrative Hilfe.
 

Können Sie ein Beispiel nennen?
Ich bin Jurist und Sozialarbeiter. Personen, die mit Geld nicht umgehen können, bieten wir Lohn- oder Rentenverwaltungen oder auch Schuldensanierungen an. Und wir helfen, wenn jemand einen Antrag bei einer Behörde stellen oder einen Brief schreiben muss.

Wie gross ist das Team?
Insgesamt haben wir elf Personen, ein Teil ist in der Küche, andere sind in der Beratung tätig. Einige sind festangestellt, andere arbeiten im Stundenlohn oder helfen freiwillig. Auch unsere Gäste arbeiten oft mit – bei der Reinigung  oder beim Fensterputz.

Wie wird der Treffpunkt finanziert?
Wir sind ein Verein mit einem Jahresbudget von rund 245 000 Franken. Daran bezahlt der Kanton Basel-Stadt etwa ein Drittel, den Rest finanzieren wir über Zuwendungen der Christoph Merian Stiftung, der Kirchen und von Privaten.

Neuerdings richten Sie eine kleine Bibliothek ein. Weshalb?
Viele Leute denken,  es genüge, wenn unsere Besucher Essen und Kleider haben. Der Mensch braucht aber auch geistige Nahrung. Viele unserer Gäste lesen gerne. So kamen wir auf die Idee einer Bibliothek. Eine Stiftung bezahlte uns zwei Schränke und einige Bücher. Unsere Gäste können sie hier lesen oder auch gratis ausleihen.

Es gibt ja schon öffentliche Bibliotheken. Braucht es da eine Eigene?
Der Jahresbeitrag in solchen Bibliotheken ist für einige unserer Gäste bereits zu hoch. Auch beim Essen gibts ja Alternativen. Trotzdem kommen hungrige Menschen zu uns. Wir ergänzen also andere Angebote.

Was benötigen Sie für Ihre Bibliothek noch?
Ein Verlag stellt uns Zeitschriften zu. Jemand spendierte ein Zeitungsabo. Uns fehlen aber noch DVDs und CDs. Und wir nehmen auch gerne weitere Bücher entgegen.

Haben Sie noch Anderes vor?
Ja, ab 2016 wollen wir zweimal im Monat eine medizinische Sprechstunde anbieten, weil wir feststellten, dass einige unserer Gäste nie zum Arzt gehen – weil sie nicht krankenversichert sind, weil der Selbsbehalt für sie zu hoch ist – oder weil sie sich schlicht nicht trauen. Für das Projekt haben wir bereits feste finanzielle Zusagen, suchen aber noch das ärztliche Personal für diese Aufgabe.

Der Verein «Treffpunkt Glaibasel» hat ein Patronatskomitee. Wer gehört dazu?
Es ist sehr breit abgestützt, auch mit Personen aus dem Kleinbasel. Dem Komitee gehören unter anderen Regierungsrat Hans-­Peter Wessels, Anita Lachenmeier, ­Felix Eymann, Niggi Schoellkopf und Pfarrer Georg Vischer an.

Gelesen 2145 mal

Schreibe einen Kommentar

Danke dass Sie diesen Beitrag kommentieren möchten. Aus rechtlichen Gründen müssen wir jeden Kommentar zuerst lesen, bevor wir ihn veröffentlichen können. Da unsere Redaktion nur tagsüber besetzt ist, kann es u.U, etwas dauern. Wir bitten Sie um Verständnis. Im Weiteren möchten wir Sie darauf hinweisen, dass Kommentare, die gegen die akteulle Gesetzgebung verstossen, für deren Urheber rechtliche Konsequenzen zur Folge haben können. Ein Recht auf die zwingende Veröffentlichung eines Kommentars besteht explizit nicht.
Die Redaktion

Die mit einem * versehenen Kästchen müssen zwingend ausgefüllt werden.