Montag, November 20, 2017

Vinaora Nivo Slider 3.xVinaora Nivo Slider 3.x

Beat Leuthardt will Vortritt für Fussgänger

In der Greifengasse sollen Fussgänger Vortritt haben, findet Grossrat Beat Leuthardt. In der Greifengasse sollen Fussgänger Vortritt haben, findet Grossrat Beat Leuthardt. Foto: Rolf Zenklusen

Die Greifengasse und die Mittlere Brücke sind voll im Umbau. Versorgungsleitungen und Tramschienen werden erneuert, die Bauarbeiten dauern bis zum 13. August. Im Zuge der Sanierungen ändert sich das Strassenbild: Auf der Mittleren Brücke werden die Trottoirs um 40 Zentimeter verbreitert, in der Greifengasse die Randsteine um drei Zentimeter abgesenkt.

Velos auf den Trottoirs
Genau diese Absenkung könnte eine Gefahr darstellen, sagt Grossrat Beat Leuthardt (BastA!/Grünes Bündnis). Leuthardt befürchtet, dass die Velos verstärkt auf die Trottoirs ausweichen, wenn hohe Randsteine fehlen. Velofahrerinnen und Velofahrer würden gern auf ihr Vortrittsrecht pochen und einen auch mal mit Glockensignalen «in die Schranken» weisen, sagt Leuthardt, der als BVB-Tramchauffeur die Situation gut kennt.

Im Interesse der Sicherheit
Die Lösung könnte eine «Begegnungszone» in der Greifengasse sein. Damit würde die gesetzliche Grundlage geschaffen, dass Fussgängerinnen und Fussgänger gegenüber Velos, Bussen und Taxis Vortritt hätten. Das wäre «im Interesse der Verkehrssicherheit sowie aller Anliegergeschäfte, ja ganz allgemein im Interesse eines lebendigen und kundenfreundlichen Kleinbasels», sagt Leuthardt. «Begegnungszone» würde bedeuten, dass Fussgänger die Fahrbahn sicher überqueren können, sobald der Tramzug passiert hat. «Velos im Schlepptau des Trams müssen ihre Geschwindigkeit anpassen.» Im Zweifelsfall würde dies heissen, dass Velos im Schritttempo fahren müssen. Dies sei den Velofahrerinnen und Velofahrer zuzumuten, meint Leuthardt. In einem parlamentarischen Vorstoss fragt er die Regierung, ob die Einrichtung einer Begegnungszone schon per Ende der Erneuerungsarbeiten 2017/18 sei möglich, eventuell einstweilen auch bloss im Bereich der Überquerungen zwischen den Publikumsmagneten Manor und Migros? Die Antwort der Regierung steht noch aus.

Velodurchfahrt erhalten 
Für die Pro Velo beider Basel (PVbB) ist eine Begegnungszone in der Greifengasse durchaus denkbar, wie Geschäftsführer Roland Chrétien sagt. Bereits jetzt könne man als Velofahrer an vielen Stellen nicht davon ausgehen, dass man vortrittsberechtigt unterwegs sei; deshalb sei man gut beraten, gemütlich und mit Bremsbereitschaft zu fahren. Wer es eiliger habe, könne den Umweg via Sägergässlein-Teichgässlein oder Schafgässlein benutzen.

Direkte Linie durch die Stadt 

«Wichtig ist für uns in erster Linie, dass die Velodurchfahrt erhalten bleibt, weil es die direkte Linie durch die Stadt ist, die ja auch die Gegner des Velorings gefordert hatten», fährt Chrétien fort. Bei einer allfälligen Änderung des Regimes fordert Pro Velo beider Basel eine eindeutige Signalisation der Strasse. Auch der Umweg via Teichgässlein-Sägergässlein oder Schafgässlein müsse optimal gestaltet und klar signalisiert sein.

«Begrüssenswert»
André Auderset, Präsident der Interessengemeinschaft Kleinbasel (IGK), findet ist es «begrüssenswert, dass sich der Anzugsteller Gedanken zum Gedeihen des Basler Gewerbes macht». Es sei bezeichnend und sehr aussagekräftig, «dass sogar ein auf der äussersten Linken Politisierender eingestehen muss, dass ein grosser Teil der Velofahrenden ein sehr rüpelhaftes Verhalten gerade gegenüber schwächeren Verkehrsteilnehmern an den Tag legt.» Älteren oder in ihrer Mobilität eingeschränkten Menschen würde es in der Greifengasse wegen des unverantwortlichen Verhaltens gewisser Velofahrerinnen und Velofahrer alles andere als leicht gemacht, heil von einer Strassenseite auf die andere zu gelangen.

Vorstoss hat Tücken
«Der Vorstoss hat aber Tücken», schränkt Auderset sein. Es dürfte nicht immer und von allen nachvollziehbar sein, dass die Fussgänger immer Vortritt haben – ausser beim Tram. Im Gegensatz dazu hätten die ebenfalls in der Greifengasse verkehrenden BVB-Busse keinen Vortritt. «Das schafft Unsicherheiten, ganz abgesehen von den Schwierigkeiten, einen fahrplanmässigen Betrieb der Busse zu gewährleisten.»

Nicht auf dem Claraplatz
Auf keinen Fall dürfte die Begegnungszone auf den Claraplatz ausgeweitet werden, findet Auderset. «Durch Busse und Trams, die aus vier Richtungen auf den Platz einfahren, wird die Unsicherheit noch grösser.» Insgesamt findet er den Vorstoss gut gemeint, aber schwierig umsetzbar. Der Regierungsrat solle ruhig prüfen und berichten, was getan werden könnte. «Die Regierung hat schon dümmere Aufträge erhalten.»

Velofahrer auf dem Trottoir
«Völlig daneben» findet Auderset die Idee von Leuthardt, mit dem Einrichten einer Begegnungszone verhindern zu wollen, dass Velofahrerinnen stehende Trams über das Trottoir umfahren – wohl durch die Leute, die an der Haltestelle stehen. «Zur Bekämpfung eines derartigen Rowdietums braucht es keinen parlamentarischen Vorstoss, sondern ein kompromissloses Durchgreifen der Polizei!», stellt Auderset klar.

Appell an die Vernunft 
Der Kleinbasler Balz Herter, Präsident der CVP Basel-Stadt, hält wenig vom Vorstoss seines Grossratskollegen Beat Leuthardt. «Meiner Meinung nach besteht kein Bedarf für eine neue Begegnungszone in der Greifengasse.» Durch Begegnungszonen würde nur eine falsch verstandene Sicherheit entstehen, sagt Herter .«Das gibt den Leuten den Freipass, nach Lust und Laune und ohne Rücksicht auf Verluste auf die Strasse zu laufen.» Stattdessen appelliert Herter an die Vernunft aller Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmer. «Gewisse Fussgänger laufen in der Innenstadt abrupt auf die Strasse, ohne vorher zu prüfen, ob sich ein Fahrzeug nähert, da sie das Gefühl haben, sie hätten Vortritt.»

 

 

Schreibe einen Kommentar

Danke dass Sie diesen Beitrag kommentieren möchten. Aus rechtlichen Gründen müssen wir jeden Kommentar zuerst lesen, bevor wir ihn veröffentlichen können. Da unsere Redaktion nur tagsüber besetzt ist, kann es u.U, etwas dauern. Wir bitten Sie um Verständnis. Im Weiteren möchten wir Sie darauf hinweisen, dass Kommentare, die gegen die akteulle Gesetzgebung verstossen, für deren Urheber rechtliche Konsequenzen zur Folge haben können. Ein Recht auf die zwingende Veröffentlichung eines Kommentars besteht explizit nicht.
Die Redaktion

Die mit einem * versehenen Kästchen müssen zwingend ausgefüllt werden.