Donnerstag, September 21, 2017

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Erhält Basel nachts einen Bürgermeister?

Tino Krattiger (Bild) will keinen Flickenteppich in der Rheingasse. Tino Krattiger (Bild) will keinen Flickenteppich in der Rheingasse. Foto: Markus Knöpfli.

Die «KleinStadtgespräche» greifen Themen auf, die den Bewohnern Kleinbasels unter den Nägeln brennen. Aber es wird nicht nur erörtert, gejammert, geschimpft und beschuldigt. «Zum Konzept der Kleinstadtgespäche gehört es seit jeher, auch Lösungen zu finden», mahnte Moderatorin Martina Rutschmann schon zu Beginn der Diskussion unter dem Motto «Schlafen und Beleben – Innenstadt auf Lärmstufe III». Das sei ein Dauerthema, «bei dem man meinen könnte, dass es keine Lösung gibt», sagte eine eher pessimistische Rutschmann.

Ideen für Lösungen

Schon bald zeigte sich: Das grösste Lärmproblem für schlafende Anwohner sind Gäste von Beizen, die spät abends oder früh morgens rauchend vor den Lokalen stehen und plaudern, lachen, grölen oder streiten. Oder die sich nach Betriebsschluss ebenso rücksichtslos auf den Heimweg begeben. Unter solchen Umständen sei insbesondere im Sommer ein Schlafen bei offenem Fenster nicht möglich, wurde von verschiedenen Votantinnen und Votanten mit Nachdruck moniert. Dennoch gab es auch Lösungen, zumindest Lösungsideen.

Sicherheitsmann sorgt für Ruhe 

Eine davon wird bereits da und dort praktiziert. So beordert etwa Robert Schroeder, Inhaber der «Achtbar» in der Rheingasse, vor allem an Wochenden einen Sicherheits-Mann vor sein Lokal. Dieser erinnert die Gäste, die zum Rauchen vor die Tür treten, an die schlafende Nachbarschaft und hält sie zu rücksichtsvoller Lautstärke beim Plaudern an. Notfalls schickt der Sicherheitsmann die Gäste auch wieder ins Lokal zurück. Der eine oder andere Wirt an der Rheingasse mache dies auch, sagte Schroeder gegenüber dem «Vogel Gryff». Das scheint zu nützen, jedenfalls lobten auch Anwohner diese Massnahme. Allerdings beruht sie auf Eigen­initiative. Matthias Nabholz, Leiter des Amtes für Umwelt und Energie, brachte deshalb die Idee eines «Nachtbürgermeisters» ein, wie er bereits in Amsterdam und anderswo existiere.

Auch ein Vermittler 

Das Ziel des Nachtbürgermeisters sei es, ein aktives Nachtleben zu ermöglichen – einerseits aus wirtschaftlichen Gründen, denn das Nachtleben schafft auch Arbeitsplätze. Aber auch aus kulturellen Gründen, und weil es einem Bedürfnis entspricht. Andererseits vermittelt der Nachtbürgermeister zwischen An­wohnern, Behörden, Nachtschwärmern und Lokalinhabern, wenn das Nachtleben zu Problemen führt. Ein anderer Teilnehmer des KleinStadtgesprächs brachte den «Nachtstadtrat» in Zürich ins Spiel, ein Gremium, das als Verein ähnliche Aufgaben übernimmt.

Parlamentarier werden aktiv

SP-Grossrätin Salome Hofer vom Verein «Kulturstadt jetzt» nahm die Ideen auf und versprach, sie auf politischer Ebene in geeigneter Form weiter zu verfolgen. Möglich also, dass schon bald ein parlamentarischer Vorstoss zu diesem Thema erfolgt. Der konkrete Anlass für die Diskussion im Hotel Balade, an der rund 40 Personen teilnahmen, war die Motion von FDP-Grossrat Stephan Mumenthaler, die der Grosse Rat im letzten Oktober an die Regierung überwiesen hat. Sie verlangt, dass die gesamte Innenstadt im Gross- und Kleinbasel der Lärmempfindlichkeitszone (LES) III zugewiesen wird, eine Mischzone, in der Wohnen und Gewerbe möglich sein soll.

«Ein Flickenteppich»

Heute sind Teile der Innenstadt der LES III, andere der ruhigeren LES II (reine Wohnzone) zugeordnet. Dies führe zu teils kuriosen Situationen – etwa in der Rheingasse, wo auf der einen Seite der Strasse LES II und auf der anderen LES III gelte. Ziel der Motionäre sei es, so die Mitunterzeichnerin Salome Hofer, diesen «Flickenteppich» zu vereinheitlichen. Der aktuelle Stand sieht folgendermassen aus: Die Regierung muss die Motion umsetzen und erneut dem Grossen Rat vorlegen. Stimmt er der neuen Regelung zu, kann dagegen noch das Referen­dum ergriffen werden.

Letzte Änderung am Mittwoch, 29 März 2017 14:42

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