Samstag, September 23, 2017

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«Das Klybeckquartier ist vom Baulärm gebeutelt»

Ulla Stöffler ist als mobile Quartierarbeiterin unterwegs. Ulla Stöffler ist als mobile Quartierarbeiterin unterwegs. Foto: zvg Ulla Stöffler.

Frau Stöffler, Sie betreiben im Klybeck eine so genannte aufsuchende Quartierarbeit. Wo sind Sie unterwegs?
Ulla Stöffler: Ich verstehe mich als Ansprechspartnerin, vorwiegend im Klybeck mit Schwerpunkt am Wiesenplatz in der Siedlung Mitte, wo 900 Menschen auf beengtem Raum zusammenleben. Geografisch sehe ich mein Einzugsgebiet nicht so eng, auch Kleinhüningen gehört im weitesten Sinne dazu. Eine Kontaktaufnahme mit den Bewohnenden der Densa-Überbauung hinter dem Stücki ist in der Jahresplanung 2017 enthalten.

 

Auf welche Art von Menschen treffen Sie im Klybeck?

Es sind ganz normale Stadtbewohner, die einfach in den letzten Jahren sehr gelitten haben unter dem Baulärm – bei der Verlängerung der Tramlinie 8 und beim Umbau des Wiesenplatzes. Das Klybeck ist ein gebeuteltes Quartier, was Infrastruktur und Baulärm anbelangt. Die nächsten 18 Monate werden etappenweise die Gleise und die Leitungen an der Kleinhüningerstrasse erneuert. Andererseits findet hier eine Aufwertung statt, von der einige Leute nicht profitieren können. Ein grosses Problem ist, dass es immer weniger bezahlbaren Wohnraum, aber auch zu wenig Ateliers für kleine Handwerksbetriebe gibt.

 

Konflikte zwischen verschiedenen Kulturen stehen momentan weniger im Vordergrund?

Diese Konflikte gibt es noch – genauso wie die Angst vor gewissen Bevölkerungsgruppen wie etwa konservativen Muslimen. Dieses Phänomen ist nicht neu. Mit einem Quartierfest beispielsweise, wo sich die negativ besetzten Kulturkreise positiv darstellen, könnte man viel dagegen tun.

 

Welche Sorgen haben denn die Leute?

Das grösste Problem sind – gerade bei Migranten – die Hemmschwellen gegenüber den Behörden. Man fühlt sich ausgeliefert und findet den Zugang zu Anlaufstellen nicht, oft auch wegen sprachlicher Hürden. Ich stelle auch immer wieder fest, dass sich Betroffene selbst viel zu wenig zutrauen. Das Quartier ist sich zu wenig bewusst, welche Ressourcen es hat und dass es als Gemeinschaft noch viel besser funktionieren könnte. Dazu kommt, dass sich viele nicht gut im eigenen Quartier auskennen. Sie wissen gar nicht, welchen Reichtum an Angeboten es direkt vor ihrer Haustüre hat.

Was können Sie tun, wenn es Probleme gibt?

Einzelfälle wie etwa ein Schuldenproblem kann ich nicht selbst bearbeiten. Da gehe ich mit den Betroffenen zur entsprechenden Fachstelle, wo ihnen geholfen wird. Mein Fokus liegt eher darin, die Bevölkerung im Quartier miteinander zu verknüpfen – nach dem Prinzip «Hilfe zur Selbsthilfe». Es geht mir darum, dass die Leute die Probleme selbst in die Hand nehmen. Zum Beispiel unterstütze ich engagierte Leute sehr gerne bei der Organisation des ersten Strassenfestes, beim zweiten Fest bin ich dann idealerweise schon weniger gefragt.

 

Wie merken Sie, dass Sie gefragt sind. Wie merken Sie, wohin Sie gehen müssen?

Da helfen mir meine Ausbildung und meine Erfahrung. Ich arbeite seit 20 Jahren als Sozialarbeiterin und wohne seit 17 Jahren in Basel. Ich knüpfe pro Monat rund 30 neue Kontakte, dränge mich aber nicht auf. Wenn ich merke, dass die Leute kein Interesse haben, mache ich etwas Smalltalk, gebe vielleicht einen Flyer ab und verabschiede mich. Allgemein muss ich sagen, dass wir Menschen es verlernt haben, miteinander zu reden. Dies ist auch oft der Grund für Konflikte. Man sollte sein Ego etwas zurückstellen, sich mehr für die Gemeinschaft engagieren und auch hin und wieder das Smartphone aus den Händen legen.

 

Wie erkennen Sie die Leute?

Entweder habe ich die rote ­Tasche umgehängt, oder ich fahre mit dem Velo herum, das mit dem Logo gekennzeichnet ist.

 

Welche Vision haben Sie für das Klybeckquartier?
Die Leute sollten mehr aufeinander zugehen. Oft genügt es, einfach nur Hallo zu sagen; daraus entstehen Gespräche, mit denen man oft Konflikte lösen kann. Ich wünsche mir, dass die Leute wieder mehr Eigeninitiative entwickeln für ihren Stadtteil. Den Politikern rate ich, mehr für die Volksgesundheit zu tun: Baulärm kann diese gefährden. Und grundsätzlich bin ich der Ansicht, dass die Leute viel mehr lachen sollten.

 

Seit Anfang August 2016 leitet Ulla Stöffler das Projekt Mobile Quartierarbeiter (MQK) im Klybeck. Sie unterstützt Quartierbewohnerinnen und -bewohner bei ­Ideen, Wünschen, Sorgen und steht ihnen bei Anliegen zur Seite. Das Projekt wird finanziert vom Erziehungs- und Präsidialdepartement sowie der Christoph ­Merian Stiftung (CMS).

 

Mobile Quartierarbeit Klybeck

Quartiertreffpunkt Kleinhüningen

Kleinhüningerstrasse 205, 1. Stock
Büroöffnungszeiten:
Mi 14 bis 17 Uhr; Do 14 bis 15.30 Uhr

 

 

Letzte Änderung am Mittwoch, 15 März 2017 13:21

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