Freitag, März 24, 2017

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Dr Wild Maa und seine Tannen

Förster Christian Kleiber (links), der aktuelle Wild Maa Michael (Mitte) und sein Nachfolger Stephan beim Ausgraben der Tanne. Förster Christian Kleiber (links), der aktuelle Wild Maa Michael (Mitte) und sein Nachfolger Stephan beim Ausgraben der Tanne. Foto: Tobias Gfeller.

Die Luft unangenehm kalt, der Boden tief gefroren. Eigentlich keine guten Umstände, um mit Pickel und Schaufel eine Tanne auszugraben. Doch für den Wild Maa Michael sind diese eisigen Bedingungen nichts Aussergewöhnliches. Mit heissem Wasser weicht er den Boden auf, bevor er zusammen mit seinem Nachfolger Stephan zu graben beginnt. Das Wasser weicht den Boden rasch auf, was die Arbeit der zwei kräftigen jungen Männer enorm erleichtert.

Grosse Tanne für die Flossfahrt

Das traditionelle Zeremoniell beginnt bereits vor Weihnachten, wenn der Wild Maa seine zwei Tannen aussucht. Die eine für den Morgen auf dem Floss, die andere für die Tänze in den Restaurants und abends Gryffemähli. «Die etwas grössere, voluminösere Tanne brauche ich für die Flossfahrt, damit sie auch aus der Distanz für die Zuschauer gut zu sehen ist», erklärt der Wild Maa. Mit alt Wild Maa Ruedi und Revierförster Christian Kleiber, der am Samstag beim Ausgraben auch dabei war, suchte er in den Langen Erlen nach geeigneten Tannen. Gut zwei Stunden dauerte das Prozedere. Dass am Ende beide Tannen nur wenige Meter voneinander an der Ecke Freiburgerstrasse/Akazienweg standen, war purer Zufall. Der Zeitpunkt des Aussuchens noch vor Weihnachten sei mit Absicht gewählt. «Ich möchte die geeigneten Tannen auswählen und markieren können, bevor sie eventuell als Weihnachtsbäume gebraucht werden.» Dank befestigten Plastikbändeln finden sich die Tannen am Samstagmorgen problemlos wieder. 

Wild Maa wird früh eingeführt

Förster Christian Kleiber bringt Pickel und Schaufeln mit. Seine Tipps zum Ausgraben braucht der Wild Maa nicht. «Das lernt man über die Jahre», sagt dieser kurzatmig, aber mit einem Lächeln. Auch sein bereits bestimmter Nachfolger ist zum wiederholten Male dabei. «Es geht um wichtige Details des ganzen Ablaufs, die man innerhalb eines Jahres nicht erlernen kann.» Ab 2019 wird er den Wild Maa stellen und die ganze Verantwortung tragen, damit am Kleinbasler Feiertag mit den Tannen alles in Ordnung ist.

Die Vorgaben für eine ideale Tanne: «Der Stamm sollte gerade und gleichmässig dick sein», erklärt der alt Wild Maa und heutige Spielchef Andy Lehr. «Ist der Stamm unten zu breit, ist die Tanne zu schwer, um sie während zwölf Stunden zu tragen und mit ihr zu tanzen. Dazu sorgt ein unten zu dicker Stamm für ein Ungleichgewicht in den Propor­tionen, was das Tanzen mit ihr unmöglich macht.»

Auch optisch sind die Vorstellungen der Wild Männer klar. «Sowohl die Krone, der Stamm und vor allem auch der Wurzel müssen optimal sein», weiss der aktuelle Wild Maa Michael. Sowohl die Krone mit den Ästen wie auch der Stamm, der rund zur Hälfte von seinen Ästen befreit wird, sind bei der Suche im Dezember vorauszusehen. Die Unbekannte ist immer die Wurzel, die sich auch für den geübten Blick des Förster nicht erahnen lässt. «Die Spannung beim Ausgraben ist jedes Mal gross, ob die Wurzel schön und gleichmässig ist», verrät Michael. Auch die Wurzel ist beim Tanzen mit der Tanne ein entscheidender Faktor. «Schwierig wirds, wenn die Wurzel auf die eine Seite mehr ausschlägt als auf die andere», sagt alt Wild Maa Caesar. «Dann wird vor allem das Drehen der Tanne zur grossen Herausforderung.» Wild Maa Michael hatte eine gute Nase, als er im Dezember seine beiden Tannen aussuchte. Die Freude über die schönen Wurzeln ist an diesem Samstagmorgen bei allen hör- und spürbar. 

Das Ausgraben als Ritual

Wild Maa Michael ist erleichtert, dass alles gut gegangen ist. Für ihn ist das Ausgraben der Tannen ein wichtiges Ritual und so etwas wie der Startschuss für den Vogel Gryff. Er behandelt die Tannen dementsprechend zärtlich, als wären sie so etwas wie seine Kinder. Ja nichts – vor allem auch nicht die Wurzel, soll beim Ausgraben zerstört werden. «Das sind die Arbeitsgeräte, die ich den ganzen Tag dabei habe. Ich behandle sie deshalb jetzt schon sehr vorsichtig.» Auch für Stephan, den Wild Maa in spe, ist es jedes Jahr speziell, kurz vor dem Vogel Gryff die Tannen zu holen. «Es ist für mich ein grosses Privileg, hier dabei zu sein.»

Tannen einst aus Riehen

Bis 1990 holte der Wild Maa seine Tanne in Riehen – zumeist in der Eisernen Hand in der äussersten Spitze der Schweiz. Andy war 1991 der erste, der in den Langen Erlen seine Tannen holte. «Der Wild Maa braucht eine Rottanne. In der Eisernen Hand setzte der Förster aber vermehrt auf Weiss- und Nordmannstannen», erklärt Andy. «Der Boden in der Eisernen Hand ist sehr nahrhaft. Die Bäume erhalten viele Nährstoffe und wachsen dementsprechend schnell.» Doch deren Äste sind weniger dicht. «Hier in den Langen Erlen haben wir magere Böden. Die Tannen wachsen zwar langsamer, bilden aber dafür schönere und stabilere Äste, die für den Wild Maa optisch natürlich von Vorteil sind.» 

In der letzten Ecke der Schweiz

Auch Ruedi holte seine Bäume einst in der Eisernen Hand in Riehen. Sie suchten die Tanne damals noch spontan aus und gruben sie sofort aus. «Es war deshalb jedes Jahr spannend, ob wir geeignete Tannen finden.» Wenn sie in der Eisernen Hand keinen Erfolg hatten, suchten sie auch beim Vita Parcours. Die spezielle Atmosphäre in der Eisernen Hand sei nicht vergleichbar mit anderen Orten. «Das Gefühl, die Tannen in der letzten Ecke der Schweiz zu holen, war schon einzigartig.» Da machte es Ruedi auch nichts aus, dass es sich nicht um eine Kleinbasler Tanne handelte. Es komme natürlich auch immer auf den lokalen Förster an, ob dieser auf Aufzucht von Rottannen wert legt, betonen die Wild Männer einheitlich. Dies sei bei Christian Kleiber der Fall, loben alle den Revierförster. Er selber wohnt im Oberbaselbieter Thürnen und hatte vor seinem Amt als Revierförster bei der Bürgergemeinde der Stadt Basel keinen Bezug zum Vogel Gryff. Am Samstag war er nun zum fünften Mal bei der Ausgrabung der Tannen dabei. «Für mich ist es eine Ehre, Teil dieses Brauches mit so langer Tradition zu sein.» 

35 Stunden Training

Der Wild Maa ist dem Revierförster dankbar, dass er seine Tannen im Kleinbasel holen kann. Auch beim Ausgraben hilft ihm Kleiber vereinzelt mit. Das Pickeln und Schaufeln treibt den starken Männern auch bei Minusgraden den Schweiss auf die Stirn. Doch für Michael ist dies kein Problem. Er hat in den letzten zweieinhalb Monaten gut 35 Stunden an seiner Fitness, Ausdauer und Kraft gearbeitet. «Ohne körperliche Fitness wird der Vogel Gryff zur Qual», betont alt Wild Maa Caesar. Die Tanne wiege gegen zwölf Kilogramm. «Man möchte ja auch als Wild Maa den Vogel Gryff geniessen können.»

Ein kleine Tanne für die Kinder

Als Spielchef des Kleinen Vogel-Gryff-Spiels des Waisenhauses muss der kommende Wild Maa Stephan auch noch einen dritten Baum ausgraben. «Einen etwas kleineren und leichteren, mit dem auch ein Kind tanzen kann.» Diesen findet er zusammen mit Förster Christian Kleiber spontan an der gleichen Ecke. Das Ausgraben ist dieses Mal aber besonders schwierig. Wieder ist der Boden steinig und vereist. Doch Stephan schafft auch dies mit einem Kraftakt.

Ein Probetanz auf dem Hof

Nach knapp einer Stunde stehen die drei Tannen beim Wagen der Bürgergemeinde von Christian Kleiber. Der ganze Tross fährt mit ihnen zum Spittelmatthof in Riehen hinter dem Eglisee. Dort werden die Tannen für den Vogel Gryff bereit gemacht. Die Wurzeln werden abgespült und gereinigt. Der von den Ästen befreite Stammteil wird noch feiner gereinigt, damit seine Oberfläche möglichst glatt ist. Ist dies nicht der Fall, wird das Tanzen zur Tortur. Auf dem Spittelmatthof bestimmt Michael auch endgültig die Tanne für die Flossfahrt und jene für die Tänze in den Restaurants und am Gryffemähli. Für das macht er einen kurzen Probetanz. Nichts überlässt er dem Zufall. Michael hat rasch seine Entscheidung getroffen und ist zufrieden. «Der Vogel Gryff kann kommen!»

 

 

Letzte Änderung am Donnerstag, 12 Januar 2017 12:27

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