Samstag, September 23, 2017

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Erotikmessen zählen in Basel zur Kultur

Die Plakate für die Extasia stehen direkt neben kulturellen Veranstaltungen. Die Plakate für die Extasia stehen direkt neben kulturellen Veranstaltungen. Foto: knö.

In Basel hat man offenbar einen breiten Kulturbegriff: Neu zählen auch Erotikmessen dazu. Diesen Eindruck gewinnt jedenfalls, wer derzeit durch die Kleinbasler Strassen geht – vom Musical-
Theater bis zum Eglisee: Unter den unzähligen Kleinplakaten der Grösse A2, die überall an grauen Verteiler- und Weichenkästen der Basler Verkehrsbetriebe oder der Industriellen Werken Basel angebracht sind, hängen seit einigen Tagen auch Plakate der Erotikmesse Extasia.

Gewinnorientiert oder nicht?

Das ist insofern speziell, als Kleinplakate eigentlich für nicht gewinnorientierte Kulturveranstaltungen gedacht sind, was man von einer Erotikmesse in den Hallen der Messe Basel kaum behaupten kann. 2014 hatte die Allmendverwaltung festgelegt, dass diese Flächen «einzig zur Bewerbung von nicht renditeorientierten öffentlichen Kulturprojekten und -veranstaltungen zur Verfügung stehen, die nicht gleichzeitig mit Grossplakaten beworben werden». Diese und andere Regelungen sollten bis Ende 2017 gelten und allenfalls aufgrund von Erfahrungen im Zusammenhang mit der derzeit laufenden Basler Plakatsubmission geändert werden. Wobei sich die Allmendverwaltung schon vorher «allfällige Feinanpassungen» vorbehielt.

Eine solche Feinanpassung scheint man unterdessen vorgenommen zu haben. Auf Anfrage hielt jedenfalls Stéphanie Balzer, Leiterin Nutzungsmanagement bei der Allmendverwalrung, fest: «In Basel-Stadt gibt es rund 2500 Kleinplakatstellen auf zwei Kleinplakatierer verteilt. Diese sollen mit kultureller Werbung bespielt werden. Als Messe- und Veranstaltungsstadt zählen zu einem gewissen Grad auch die lokalen Märkte sowie die Messen zur kulturellen Bereicherung dazu. Deshalb wird zu einem kleinen Teil auch diese Werbung in den kulturellen Rahmen zugelassen, jedoch dürfen sie zu keiner Zeit die nicht renditeorientierte kulturelle Werbung verdrängen.»

Alternative zu Grossplakaten

Stossend ist der Vorzug, den die Behörden der Messe hier einräumen, weil der Kanton Basel-Stadt die Kleinplakate nicht zuletzt als günstigere Aussenwerbealternative zu den Grossplakaten eingerichtet hat. Er gab sogar den Maximalpreis vor: 1.20 Franken pro A2-Plakat und Tag. Ein hochkommerzieller Messeveranstalter hat ein solches preisliches Entgegenkommen aber nicht nötig. 

Wundern darf man sich über diese Ausnahme nicht, denn der Kanton Basel-Stadt ist zu 33,5 Prozent an der MCH Group beteiligt, und stellt mit den Regierungsräten Christoph Brutschin und Eva Herzog zwei Verwaltungsratsmitglieder und mit Ex-Regierungsrat Ueli Vischer gar den Verwaltungsratspräsidenten.

Das aktuelle behördliche Einverständnis zur Werbung der Erotikmesse ist dennoch erstaunlich: Vor drei Jahren hatte sich ein Basler Bordell ebenfalls mit Werbung unter die Kulturplakate gemischt – über einen der beiden Kleinplakatanbieter (der «Vogel Gryff» berichtete). Dieser wurde damals von Stéphanie Balzer schriftlich verwarnt, sie drohte ihm im Wiederholungsfall gar mit einer Vollstreckungsverfügung oder dem Entzug der Plakatierlizenz. Balzer stützte sich damals primär auf Paragraph 7e der Basler Plakatverordnung von 2011, die «Werbung für sexuelle Dienstleistungen» auf öffentlichem Grund untersagt. Warum diese Vorschrift im Falle der Extasia nicht gelten soll, liess sie offen.

Auch politische Werbung
Zurück zur aktuellen Basler Plakatsubmission: In diesem Zusammenhang sind auch die Kleinplakate neu ausgeschrieben – und schon jetzt steht fest, dass hier eine Öffnung stattfinden wird. Gemäss Ausschreibung ist künftig auf den Kleinplakaten auch politische Werbung vor Wahlen und Abstimmungen zugelassen. Von Erotik- und anderen Messen ist allerdings weiterhin nichts zu lesen.

 

 

Letzte Änderung am Mittwoch, 30 November 2016 14:15

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