Dienstag, Juni 27, 2017

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Kleinbasel

Tomi Zeller spielt Römer. Wobei es meistens mehr als ein Spiel ist. Dahinter steckt auch viel körperliche Anstrengung. Er marschierte in historischen Kleidern und Rüstungen, mit genagelten Sandalen und mit einer 50 Kilo schweren Vollpackung über den Septimerpass, einem der wichtigsten Alpenübergänge zur Römerzeit.   

Möglichst detailgetreu

Wieso tut er sich das an? «Ich möchte mich so fühlen, wie sich die Leute damals gefühlt haben. Ich möchte erfahren, ob die historischen Überlieferungen Propaganda waren oder der Wahrheit entsprachen», sagt Zeller. Mit seinen Kollegen versetzt er sich zurück in die klassische Kaiserzeit in der zweiten Hälfte des ersten Jahrhunderts nach Christus. «Wir versuchen, den militärischen Alltag und das zivile Leben im militärischen Umfeld realitätsnah und möglichst detailgetreu darzustellen.» Als Orientierung dient die verbürgte Präsenz der historischen LEG XI im Legionslager von Vindonissa, dem heutigen Windisch (AG).

Tomi Zeller gehört dem Verein Vex Leg XI CPF (Vexillum Legio XI Claudia Pia Fidelis) an. Der Vereinsname lehnt sich an die Legio XI an, die unter der Regierungszeit des römischen Kaisers Claudius (41/54 n. Chr.) den Beinamen Claudia und die Ehrenbezeichnung Pia Fidelis (pflichtbewusst und treu) erhielt. Die rund 35 Vereinsmitglieder sind imstande, ein Legionärslager aufzubauen. Während die Männer vor allem als Legionäre auftreten, betreiben die Frauen vor dem Lager eine römische Taverne. Am Römerfest in Augusta Raurica (26. bis 27. August) bildet der Verein mit Gleichgesinnten aus dem Ausland ein grosses Legionärslager mit bis zu 80 Personen. «Das Ziel des Vereins ist, zu wachsen und mit der Zeit immer mehr Chargen darzustellen», sagt Vereinskassier Zeller. Der Verein absolviert Auftritte an Museen oder er zeigt sich an Schulen.

Billige Kopien sind tabu  

«Wir sind keine Hollywood-Gruppe. Wir treten nicht an der Fasnacht oder an Dorffesten auf», betont Zeller. Alles müsse sehr authentisch und historisch abgesichert sein. Niemals würden die Legionäre mit billigen Nachbildungen aus dem Internet arbeiten. Lieber stellen sie ihre Rüstungen in Workshops eigenhändig selber her. «Wir bauen sie aus Bildern und mit Hilfe von archäologischen Fundberichten nach und testen sie dann im Gelände.»

Tomi Zeller verkörpert zwei Rollen als Römer: Er tritt sowohl als Legionär wie auch als Arzt auf. Das Fachgebiet der antiken Medizin beschäftigt ihn sehr. Er hat gelernt, wie man damals Salben und Medikamente herstellt und welche chirurgischen Techniken angewandt wurden. Zuhause baut er seinen eigenen römischen Medizinalgarten an. «Selbst hier auf der Kasernenareal finde ich sicher zehn Kräuter, die man in der antiken Medizin verwenden könnte», schwärmt der Leiter des Quartiertreffpunkts Kasernenareal. Aktuell sucht er nach einer Knochensäge, die er als Legionärsarzt einsetzen könnte. Er hat zwar Sägen aus Bronze gefunden, kann sich aber kaum vorstellen, dass damit grössere Knochen zersägt wurden. Die Frage nach der Knochensäge konnte er bis jetzt nicht genau klären.

Mit Vorurteilen aufräumen

Sein Interesse für die aktive Römerei ist vor rund zehn Jahren am Römerfest in Augusta Raurica entstanden. «Die römische Geschichte ist nicht nur aus militärischer, sondern auch aus kultureller Sicht interessant.» Zeller möchte mit einigen Vorurteilen gegenüber Römern aufräumen – zum Beispiel, dass sie sexbesessen und vollgefressen waren. «Das Bild der dekadenten Römer stammt von Satirikern und Moralisten dieser Epoche, welche die Zustände natürlich stark übertrieben – <Sex sells> funktionierte schon damals.» Klar, die Gladiatorenkämpfe habe es gegeben, jedoch seien nur bei jedem zehnten Kampf wirklich Leute gestorben. Meistens seien es dabei verurteilte Straftäter gewesen, die gegen die Gladiatoren kämpfen mussten, betont Zeller.  Er ist 44 Jahre alt, verheiratet und Vater eines Sohnes. Früher war er Landschaftsgärtner, bevor er vor 20 Jahren bei den Robi-Spiel-Aktionen als sozio-kultureller Animator angefangen hat. Seit 12 Jahren leitet er den Quartiertreffpunkt Kasernenareal.

Runden im Kannenfeldpark
Um als Legionär beim Verein mitzumachen, muss man fit sein. Für die Überquerung des Septimerpasses hat Zeller hart trainiert, indem er unter anderem mit Vollpackung Runden durch den Kannenfeldpark drehte.

www.legioxi.ch

Eigenartige Szenerie in der Greifengasse und auf der Mittleren Brücke: Wo sonst die Drämmli gemütlich hin- und herfahren, reissen derzeit Bagger die Strasse auf. Wegen den Erneuerungsarbeiten bleiben die Greifengasse und die Mittlere Brücke bis zum 13. August gesperrt.

Gegenseitige Rücksicht

Eine Ausnahme gibt es für die Velo­fahrerinnen und Velofahrer: Sie dürfen sich die Trottoirs auf der Mittleren Brücke mit den Fussgängern teilen. Der Verkehrsclub der Schweiz (VCS) befürwortet diese Lösung ausdrücklich: «Velos müssten sonst über lange Umwege via Johanniter- oder Wettsteinbrücke ausweichen.» Der VCS ruft zu gegenseitiger Rücksichtnahme auf. 

Wie beurteilen Kleinbasler Politiker die Situation? Daniel Seiler, Präsident der FDP Kleinbasel, erklärt, man müsse das Miteinander wagen. «Mit klaren und deutlichen Beschriftungen und Hinweisen müsste es doch zwischen erwachsenen Menschen funktionieren, nebeneinander vorbeizukommen. Im Solitudepark am Rhein funktioniert das in der Regel auch.» LDP-Grossrat André Auderset erklärt: «Ich finde es richtig, dass man ein Miteinander versucht, und hoffe auf gegenseitige Rücksichtnahme.» Die Durchfahrt für Velofahrer zu verbieten, würde nichts bringen, Hardcore-Radler würden sowieso durchfahren.

Auseinandersetzungen

«Am einfachsten wäre es, wenn die Velofahrer eine Seite der Brücke im Gegenverkehr nutzen würden und die Fussgänger die andere. Die jetzige Konfiguration ist suboptimal und führt garantiert zu Auseinandersetzungen», sagt Balz Herter, Grossrat und Präsident der CVP Basel-Stadt. Mit der Umgestaltung werde die Greifengasse attraktiver, teilt das Tiefbauamt mit. Nach der Sperrung werden bis Ende Oktober 2017 auf dem Trottoir bei den geraden Hausnummern Platten aus Quarzsandstein verlegt. Ab April bis Sommer 2018 folgt die Plattenlegung auf der anderen Trottoirseite. Der Randstein wird auf drei Zentimeter abgesenkt, damit Fussgängerinnen und Fussgänger leichter über die Strasse kommen. An der Haltestelle Rheingasse werden die Haltekanten erhöht, so dass Fahrgäste stufenlos in Tram und Bus ein- und aussteigen können. Die Haltestellen erhalten zudem Wartehäuschen.

Breiteres Trottoir
Im Zuge der Umgestaltung werden auf der Mittleren Brücke die Trottoirs um 40 Zentimeter verbreitert, damit Fussgängerinnen und Fussgänger mehr Platz haben. Diese Lösung findet Balz Herter nicht ideal: «Die Verschmälerung führt dazu, dass Velofahrer weniger Platz haben und daher eher gefährdet sind.» Und die Busse müssten den Teilnehmern des Langsamverkehrs hinterher schleichen.

Das seit Jahren überaus erfolgreiche System der Pro Innerstadt-Bons soll künftig auch den Mitgliedern der Interessengemeinschaft Kleinbasel (IGK) offenstehen. «Nach entsprechenden Gesprächen zwischen IGK und Pro Innerstadt hat der IGK-Vorstand einen Vertragsentwurf grundsätzlich gutgeheissen», erklärt IGK-Präsident André Auderset. «Vielleicht schon in diesem Herbst, spätestens aber ab 2018 sollen die Geschäfte auch im Kleinbasel die Bons abgeben und annehmen», kündigt Auderset an. Damit werde ein weiterer Anreiz geschaffen, sein Geld in Basel auszugeben.

Fokus auf Baustellen

Wie Auderset ausführt, legt die IGK aktuell den Schwerpunkt auf das Thema Baustellen – vor allem auf die Grossbaustelle Greifengasse. Nicht (nur) deswegen hielt die IGK ihre Generalversammlung auf der Baustelle für die künftige «Klara 13» (bewusst mit «K» geschrieben) ab. Der Street Food-Markt mit  Kleinküchen und einer Bar im Parterre der Clarastrasse 13 wird ab dem 15. September analog der Basler Markthalle Kulinarisches aus aller Welt anbieten. 

«Die IGK kann Baustellen nicht verhindern und sie will es auch gar nicht, denn es ist richtig und wichtig, dass die Infrastruktur in unserer Stadt – gerade auch im Kleinbasel – auf gutem Niveau gehalten wird», sagte der IGK-Präsident vor über 80 anwesenden Mitgliedern. «Wir sind für Erhalt und Verbesserung der Infrastrukturen – und damit wollen wir logischerweise auch Baustellen», betonte Auderset. Aber es komme auf das «Wie» an: «Wir wollen, dass solche Baustellen rechtzeitig im Vorfeld mit den Hauptbetroffenen abgesprochen werden – und diese Hauptbetroffenen sind Anwohner und vor allem das örtliche Gewerbe.» Es dürfe nicht sein, dass Geschäfte unter Baustellen leiden, weil ihre Verkaufsräume schwer zugänglich sind. Und es müsse verhindert werden, dass einem Baizer hohe Gebühren für die Allmendbenutzung abgeknöpft werden, es ihm aber einen Sommer lang verunmöglicht wird, sein Boulevard-Restaurant zu betreiben.

Tram durch Claragraben?

Wie bei der Greifengasse werde man sich bei der IGK auch in Zukunft intensiv mit Grossbaustellen im wörtlichen wie übertragenen Sinne beschäftigen. Als Beispiele erwähnte Auderset an der GV die Tramnetzentwicklung, bei der es einige Ungereimtheiten gebe – wie etwa die Frage einer Tramlinie durch den Claragraben, die Streckenführung entlang der Wiese zum Stücki-Center oder die Anbindung des Kleinbasels zum Flughafen. Am Ball bleibe man auch bei einer virtuellen «Baustelle», dem Gesetz zur Nutzung des öffent­lichen Raums (NöRG). Gerade im stark übernutzten Kleinbasel gebe es nicht nur ein Anrecht auf Party und Vergnügen, sondern auch auf Nachtruhe und Erholung für die Anwohnenden, findet Auderset.

Baustelle in der Kaserne
In absehbarer Zeit zur Baustelle wird die Kaserne. Der IGK-Vorstand will das Projekt intensiv begleiten und beobachten, ob die vielfältigen Versprechen eingehalten werden. Dem IGK-Präsidenten ist es wichtig, dass private Gastronomiebetriebe in der Umgebung nicht massiv durch staatlich kontrollierte Betriebe innerhalb der neuen Kaserne konkurrenziert werden.

Warum in die Ferne schweifen, das Gute liegt so nah! Für beste Unterhaltung sorgen Pressluftbohrer und lärmende Bagger an der Greifengasse. Das Restaurant «Zem alte Schluuch» bietet Logenplätze an. Wirtin Aisha Schreiner erklärt verständlich die Baustellengeschichte. Daneben stossen Niggi Schoellkopf (links im Bild) und Fille Lehr (rechts im Bild) aufs Glaibasel an. Derweil zieht das Restaurant Parterre, Leitung Diane Hürlimann, assistiert vom Event-King Lawrence Pawelzik, auf die prächtige Terrasse am Kasernenturm. Apropos Terrasse: Einen Steinwurf weiter hat Raphael Winiger – ja, der Mister Teufelhof –  auch eine solche neben dem beliebten Restaurant Rhywiera eröffnet. Ufer 7 nennt sich das gemütliche Beizli am Rhein. Sie merken es längst gemerkt: Am Rhein ist es soo schön!